Früher war alles besser …

Diesen Spruch oder ähnliche Aussagen habe ich von meinen Eltern und Großeltern oft genug gehört; wahrscheinlich bin ich nicht der einzige, der sich so etwas wenigstens gelegentlich anhören musste.

Stimmt das oder ist das Unfug?

Was gleich geblieben ist, und was sich wahrscheinlich nicht ändern wird ist, dass sich die Zeitgenossen der älteren Generationen kopfschüttelnd über das zweifelhafte Verhalten der jüngeren Generation aufregen und mehr oder weniger dramatisierend den nahen Weltuntergang herbeireden.

Im Gegenzug halten die Jüngeren den Älteren gerne vor, die Zeichen der Zeit nicht verstanden zu haben, und dass sie deswegen der Lösung der Weltprobleme ständig im Wege stehen.

Also teilt sich die Weltbevölkerung in den Teil der Zeitgenossen, die der Überzeugung sind, dass alles so bleiben sollte wie es schon immer war, und den anderen Teil, der verlangt, dass sich alles ändern muss, damit es mit Weltuntergang wenigstens nicht allzu schnell geht.

Was sicher stimmt ist:

Früher war vieles anders

– und das war früher schon ganz genau so wie heute.

Dass nichts bleibt wie es ist, beweisen die Geschichtsbücher. Dort wird auch dokumentiert, dass die Menschen sich in früheren Zeiten nicht nur nicht davon abhalten ließen, verrückte Entscheidungen zu treffen, sondern dass die Menschheit von einer Krise in die andere hineinschlidderte. Die Preise für die Krisen waren auch früher meistens nicht gerade niedrig.

Menschheit ohne Krisen scheint es also nicht zu geben.

So weit die Binsenweisheiten.

Also zurück lehnen und denken, ‚ … das hab ich doch immer schon gesagt – aber auf mich hört doch sowieso keiner … . Wichtig ist jedenfalls, dass die Regierung nicht mein Konto plündert. …‘

Ok – geschenkt. – Behalte, was dir andere freiwillig oder unfreiwillig gegeben haben.

Wenn du sowieso vom Leben sonst nichts mehr erwartest, dann achte darauf, dass nicht nur dein Konto, sondern auch dein Hormonhaushalt einigermaßen im grünen Bereich bleibt. Mit Twitter kann man das kostenlos regulieren. Auch wenn keiner auf deine Sprüche reagiert findest du dort immer irgendeinen, der irgendetwas geschrieben hat, was dir einen kleinen Adrenalinschub verschafft. Und du brauchst auch keinen vorher zu fragen. Und du kannst jederzeit weiter scrollen oder wegklicken. So praktisch ist das.

Merkwürdig. Twitter hat es früher doch nicht gegeben.

Back to Normal? – Was war gerade nochmal Normal?

Moment mal, zu welcher Hälfte der Weltbevölkerung gehöre ich denn jetzt?

Die mit dem Vorwärtsgang oder die mit dem Rückspiegel?

oder

Ist die Geschwindigkeit der Veränderung in meinem Kopf größer oder kleiner als die Geschwindigkeit der Veränderung außerhalb meines Kopfes?

Gefällt mir dieses Verhältnis der Veränderungsgeschwindigkeit und kann ich daran etwas ändern? Was hält mich davon ab, das zu tun?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.