Impfen und Ärzte – eine Hassliebe?

Ndr.de titelt am 28.03.2021: Hannover: Zwei Drittel der Ärzte nicht zum Impfen erschienen

Am Sonnabend vor einer Woche sollten eigentlich 600 Ärztinnen und Ärzte sowie Praxispersonal aus Stadt und Region Hannover geimpft werden. Zum Termin erschienen sind aber nur 200 Impfwillige.

Die anderen ließen den Termin ohne Absage verstreichen, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ) am Sonnabend berichtete. Die Termine waren demnach laut Region Hannover zwischen den Praxen und dem Impfzentrum schriftlich vereinbart.

(…)

Nach HAZ-Angaben waren für diesen Sonnabend 700 Ärztinnen und Ärzte sowie Mitarbeitende der Praxen zum Impfen angemeldet. Informationen darüber, wie viele von ihnen diesmal tatsächlich zum Termin gekommen sind, sind, sollen laut Region Anfang der Woche vorliegen.

ndr.de vom 28.03.2021

Na denn, wenn das so ist, scheinen die Kolleg*innen wohl nicht so viel von der Impfung zu halten. Warum auch immer – oder sind sie einfach nur stur und wollen die Impfung boykottieren, weil sie eine Aversion gegen die Impfzentren haben. Jedenfalls kann man wohl nicht behaupten, dass sie nicht in der Lage wären, wegen einer Behinderung die Wegstrecke zum Impfzentrum zurücklegen zu können.

Ob diese Fachleute die richtigen Berater für die Impflinge sind? Vielleicht nur, wenn ihre Kundschaft in ihre eigene Praxis kommt.

Vielleicht bin ich schwer von Begriff, ich verstehe viele Querdenker und Verschwörungstheoretiker auch nicht. Ich dachte immer, dass ich die Mehrheit meiner Kolleg*Innen doch einigermaßen verstehen würde. Aber wenn ich die oben angegebene Pressemeldung zur Kenntnis nehme, fehlen mir einfach die Worte. Ich frage mich immer öfter, was (m)eine Approbation als Arzt noch wert ist.

(Ergänzender Nachtrag vom 28.03.2021 für diejenigen, die sich in das Thema vertiefen wollen: Der tagesspiegel.de berichtet am 28.03.2021 über das Verhältnis der Berliner Kassenärzte bzw. der Kassenärztlichen Vereinigung zu den Impfzentren und die Diskussion zum Thema ‚Vertrauen‘ und ‚Priorisierung‘. Jeder kann selbst entscheiden, ob es um das Vertrauen in die Impfstoffe oder das Vertrauen in die Ärzte geht, und mit welchen Mitteln dieses Vertrauen untergraben oder wiederhergestellt werden soll.

Es war schon immer so: Korruption setzt Vertrauen voraus, wenn sich die Begünstigten einig sind.)

Ein Gedanke zu „Impfen und Ärzte – eine Hassliebe?“

  1. Als Leser der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung war ich ebenfalls verblüfft über die sehr hohe Zahl der nicht zum Impftermin erschienenen Ärzte und medizinischen Fachkräfte. Eine Woche später, ebenfalls ein Samstag, sind von den 7oo geladenen „Impflingen“ (wiederum Ärzte u. med. Personal) immerhin 200 nicht erschienen, auch noch recht viel, aber eine ganz andere Größenordnung.

    Die Ursache für die extreme Situation am Samstag davor wird in einer zu spät erfolgten Übermittlung des Impftermins per E-Mail am Vortag gegen Mittag (Freitag!) vermutet, welche dann oft nicht mehr gelesen wurde.

    Man kann nur hoffen, daß wegen solcher Pannen nicht womöglich Impfstoff vernichtet wird.

    Ich vermute, ein Gutteil der nicht Erschienenen spekuliert darauf, zu einem späteren Zeitpunkt mit einem anderen, vermeintlich besseren Impfstoff als Astrazeneca geimpft zu werden, Impfskeptiker wird es sicherlich auch geben.

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