Lieber gesund oder krank sterben – Was ist die bessere Wahl?

30.04.2026

  • Ist diese Frage verrückt, dumm, normal, originell oder intelligent?
  • Ist diese Frage erlaubt oder sollte wenigstens die Antwort verboten werden?
  • Ist diese Frage uninteressant oder stellt sich jeder diese Frage machmal oder immer wieder?
  • Ist es besser, die Wahl zu haben oder ist es besser, auf den unvermeidbaren Vollzug des Ablebens zu warten, bis der ‚Sensenmann‘, das ‚Schiksal‘, eine ‚Krankheit‘, ein Kriegsverbrecher oder der Gesetzgeber mit seinen Erfüllungsgehilfen die endgültige Entscheidung fällt oder verhindert?

Fakt ist:

1. Jeden erwischt der Tod irgendwann; die meisten Personen auf diesem Globus vor dem 100sten Geburtstag.

2. Keiner von den Gestorbenen der menschlichen Population ist jemals zurück gekommen, um über die letzten Stunden seines Daseins berichten zu können, außer einigen Personen mit einer wahnhaften psychischen Störung und außer Jesus, der vor ca. 20 Jahrhunderten wieder ‚von den Toten auferstanden‘ sein soll. Aber was dieser Rattenfänger vor 2000 Jahren angestellt hat und welchen groben Unfug dieser Hochstapler mutmaßlich abgesondert haben soll, ist jedenfalls durch nichts bewiesen und offensichtlich von seinen Anhängern im Größenwahn erfunden und erst viel später dokumentiert worden.

3. In Deutschland ist im Sterbefall bei der obligatorischen Leichenschau durch den Arzt auf dem Totenschein (Todesbescheinigung) festzustellen, ob der Tod ’natürlich‘ oder ’nicht-natürlich‘ eingetreten ist. [Gemeint ist mit der Feststellung ’nicht-natürlich‘, ob der Tod mutmaßlich durch die strafbare Einwirkung einer anderen Person eingetreten sein könnte, was eine gerichtliche Obduktion zur Folge hat] . Der Tod ist ‚an und für sich‘ natürlich, spätestens, wenn der Blutkreislauf seinen Betrieb dauerhaft einstellt, denn es gibt in der Natur nicht den Fall, dass der Tod zu keinem Zeitpunkt eintritt. Falls es im Sterbefall keine Anhaltspunkte für eine totbringende Krankheit gibt, ist von einem ’nicht-natürlichen‘ Tod – sprich: durch ‚mutmaßliche Fremdeinwirkung‘ oder Suizid – auszugehen.

Wer glaubt, keine Wahl zu haben, kann natürlich nicht wählen und keine Entscheidung treffen oder wird sich im Zweifel weigern, diesbezüglich eine getroffene Entscheidung umzusetzen.

Wer gelaubt, eine Wahl zu haben, steht vor einem Dilemma.

Die ‚Gretchenfrage‘ ist, ob es im Hinblick auf das Recht auf Selbstbestimmung ‚in ur-eigener Sache‘ humaner ist, eine eigene freie Entscheidung zu treffen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, die ‚Rolle als Gast (oder in einer anderen Rolle (?)) auf diesem Globus‘ zu beenden oder ob es für diese Entscheidung gegenüber anderen Personen oder der Öffentlichkeit einer rechtfertigenden Begründung bedarf, ohne die der Vollzug des Ablebens zu beanstanden oder im Zweifel zu verhindern ist.

17.07.2026

Bei der Frage des Sterbens geht es um den Zeitpunkt und die Umstände des Ablebens. Damit beschäftigt sich die Versicherungsbranche mit Ihren Angeboten von Lebensversicherungen. Der gemeine Vericherungsnehmer muss eine Entscheidung treffen, für welche regelmäßigen Einzahlungen er eine zukünftige Auszahlung der Versicherungssumme wünscht. Für den Versicherungsnehmer bzw. seine bezugsberechtigten Angehörigen ist das frühzeitige Ableben ein wirtschaftlicher Vorteil – also ein ‚gutes Geschäft‘. Die Lebensversischerung hat – im Gegensatz zu Rentenversicherungen – an einem frühen Ableben des Vericherungsnehmers kein wirtschaftliches Interesse.

Fast alle Zeitgenossen überlegen, wie sie sich einen wirtschaftlichen Vorteil durch intelligente Anlagestrategien ihres sauer ‚verdienten‘ oder ohne ‚Verdienst‘ vereinnahmten Geldes verschaffen können. Die Finanzwirtschaft überflutet jeden Zeitgenossen mit Werbeversprechungen, mit undurchschaubaren Finanzprodukten, eine ’sichere und maximale Rendite‘ seiner Ersparnisse zu erziehlen, und suggerieren, dass man Geld als Wert beliebig konservieren könnte und dass man das Geld darüber hinaus auch noch ‚arbeiten‘ lassen könnte. Unterschlagen wird dabei, dass keiner  voraussagen kann, was man sich für einen bestimmten Geldbetrag in Zukunft tatsächlich kaufen kann. Geld kann man ebensowenig langfristig ‚konservieren und arbeiten lassen‘ wie verderbliche Nahrungsmittel oder ebsowenig wie man Strom langfristig gewinnbringend speichern kann.

Die überproportionale Anhäufung von wirtschaftlichen Vorteilen scheint im Wesentlichen durch stetig wiederholende, irreführende Werbeversprechungen am besten zu gelingen, verbunden mit der Illusion, dass es möglich sei, Geld zu vereinnahmen, ohne eine andere Person oder Körperschaft um den gleichen Betrag zu erleichtern. Die Phanthasie, dass die Social-Media-Konzerne

Das Kriterium für ein ‚erfolgreches Leben‘ scheint in dieser Zeit und unserem Kulturkreis der unbestimmte Begriff des Wohlstandes zu sein. Unter Wohlstand wird überwiegend die ‚bessere‚ Verfügbarkeit von Geldmitteln und das Fehlen eines materiellen Mangels im Vergleich zu anderen Zeitgenossen oder vergangenen Populationen verstanden. Ob man die besseren wirtschaftlichen Mittel für die Realisierung einer besseren Lebensqualität mutmaßlich oder tatsächlich benötigt, gerät dabei mit steigendem Reichtum aus dem Blickfeld. Die inhaltliche Hinterlegung des Wohlstandbegriffes macht in unserer Wohlstandgesellschaft ohne die Hinzuziehung eines Vergleiches keinen Sinn. Was als Vergleichsgegenstand für die Wohlstandsdefinition genutzt wird (aktuelle menschliche Teilpopulation, vergangene Populationen; Vergleiche auf der Zeitachse, der Geographie oder der Staatsorganisation etc.) wird bei den meisten Publikationen und Aussagen von Politikern, Lobbyisten und Influenzern mutmaßlich beabsichtigt verschwiegen.

Es hat den Anschein, dass mit steigendem Reichtum die Angst vor Wohlstandsverlust überproportional wächst, sonst hätte die Versicherungswirtschaft nicht den gegenwärtigen Auftrieb. Die Verlusttoleranz unserer Zeitgenossen scheint gegenwärtig keine Konjunktur zu haben, wenn dem kalkulierten Verlust nicht ein überproportionaler kalkulierter Gewinn gegenüber steht.

Ob die vorgenannten Hypothesen stimmen, mag einmal dahin gestellt sein. Schaut man sich die Flut der heutigen medialen Werbeversprechen an, dann kann man davon ausgehen, dass der Mainstream dieser Aussagen von einem Heer von hochbezahlten Werbepsychologen unter Zuhilfenahme von KI-gestützten Algorithmen entwickelt und evaluiert wird, und dass die hinter den Werbesprüchen stehenden Metabotschaften bei der Mehrheit unserer Zeitgenossen unvermeidbar ankommt und zu einem entsprechenden Verhalten führt.

Ein Beispiel ist der alle anderen Wirtschaftszweige in den Schatten stellendes wirtschaftliche Erfolg der Social-Media-Konzerne des Silcon Valley. Dass die Social-Media konsumierende Weltgemeinschaft sich die Leistungen dieser Konzerne zum Nulltarif nicht nur ‚frei-Haus‘, sondern ‚frei-an-den-eigenen-Körper-gefesselte-Smartgeräte‘ liefern lässt, ohne sich mit der Frage zu befassen, wer die Kosten und vor Allem die Gewinne dieser Konzerne bezahlt, ist nur mit einer ausgeprägten und fast durchweg verleugneten Neigung zum magischen Denken der Konsumenten(-gemeinschaft[en]) zu erklären. Dazu passt, dass die Konsumenten mit Phrasen wie „… Geiz ist geil, gut dass Sie verglichen haben …“ die Illusion vermittelt wird, dass sie besonders rational kalkulieren würden, (…) und das kaufen, was sie nicht brauchen und oft genug nicht bezahlen können.

Entscheidend ist offensichtlich, dass es für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens oder den Wahlerfolg einer politischen Partei entscheidend ist, das Niveau des magischen Denkens der Kundschaft bzw. Wählerschaft möglichst hoch zu halten und strategisch zu verhindern, dass die Konsumenten / Wähler sich kritisch mit den Kontextfragen ihrer Kauf- und Wahlentschedungen befassen.

Zurück zu der Frage der zeitlichen Begrenzung und den biologischen Bedingungen des Lebens.:

Dass Geld – ob Bargeld, Kontoguthaben, Kryptowährung oder irgend eine andere Erfindung von geldgierigen ‚Finanzexperten‘ – einen beständigen Wert habe, ist ebenso eine dem magischen Denken zuzuordnende Illusion wie die Annahme, dass das menschliche Leben unendlich sei.

Die sog. Finanzexperten befinden sich in guter Gesellschaft, sowohl mit Propheten, Priestern und anderen Anführern von Glaubensgemeinschaften als auch mit autokratischen Politikern, die häufig veschiedene gemeinsame, extrem stabile Eigenschaften und Gepflogenheiten auszeichnen:

  • Persönliche Bereicherung (Kleptokratie) verbunden mit dem Anspruch an die Klientel zu Bescheidenheit und gegebenenfalls Bereitschaft zur Armut
  • Besonderer Geheimhaltungsanspruch bezüglich Vorteilsnahme und -gewährung (Bank- und Steuergeheimnis)
  • Inanspruchnahme von Sonderrechten für die Eigene Person und Familienmitglieder (‚Vererbung‘ von ökonomischen Privilegien und privilegierten Funktionen, Vetternwirtschaft)
  • Anspruch auf unbefristeten Machterhalt und das
  • Verlangen der Unterwerfung der ‚Untertanen‘
  • Selbstzuschreibung von konstituionellen, genetisch bedingten oder gottgewollten herrausragenden und / oder  magischen Kompetenzen
  • Verunglimpfung von Konkurrenten und Kritikern durch die Zuschreibung von Merkmalen, mit denen Sie sich selbst zutreffend beschreiben
  • Bekämpfung und gegebenenfalls Beseitigung von Kritikern und Konkurrenten, gegebenfalls mit Gewalt und illegalen Mitteln
  • Das Versprechen, dass es irgendwann – im Zweifel nach dem physischen Tod  – eine ’schiksalhafte‘ ausgleichende Gerechtigkeit gebe.

Zu den Machterhaltungsmitteln der o. g. Führungspersönlichkeiten gehört es, bestimmte Hypothesen und und magische Zuschreibungen streng zu tabuisieren.

Ein solches Tabu ist die Annahme, dass es nicht erlaubt sei, durch eigene Entscheidung und Handlung das eigene ‚Schicksal‘ beeinflussen zu dürfen. Erlaubt ist, durch eigene Anstrengung dazu beitzutragen, das Leben für sich und andere erträglicher zu machen und gegebenenfalls auf eine Verlängerung des Lebens hinzuwirken. Verboten oder zumindest nicht akzeptiert ist es hingegen, das eigene Leben durch eigene Handlung zu verkürzen oder eine andere Person bei der Umsetzung dieser Absicht durch Handlung, Duldung oder Unterlassung zu unterstützen.

Walter Roeb-Rienas

Fortsetzung folgt